Dystopia Lane: The-Pit.de

26. may 2011 at 14:54 | Miko.TaMpEr |  Reviews



Blowsight erinnern optisch an Sonic Syndicate, nennen ihre Musik "Popmetalpunk" und haben ein Lady-GaGa-Cover auf ihrem neuen Album - so manch einer wird an dieser Stelle wahrscheinlich schon zu lesen aufhören, denn Vertrauen wird diese Beschreibung bei den meisten Lesern dieses Magazins wohl eher nicht wecken. Doch man sollte die vierköpfige Truppe nicht vorschnell verurteilen, denn es handelt sich hier nicht um eine Band, die schlichtweg angesagte Genres zusammenwirft, um so schnellen Erfolg zu erlangen; vielmehr verbinden die Schweden auf eine frische und authentische Weise die Spielarten ihrer Lieblingsmusik und machen dabei eine überraschend gute Figur.


Schon zu Anfang vermischen Blowsight mit "I Wish You 666" bravourös die unterschiedlichen Stile und lassen einen wahren Ohrwurm auf den Hörer los: In den Strophen geht es kompromisslos nach vorne; thrashige Riffs treffen auf ein rasantes Tempo und Nicks rauen Gesang, während der Refrain plötzlich in poppigen Rock umschwenkt und sofort im Ohr hängen bleibt, wozu nicht zuletzt der einprägsame "I Wish You 666!"-Shout beiträgt. Etwas eindeutiger ist da schon "Three Words (Under Odinary)", denn hier wird fast lupenreiner Pop-Punk samt Mitsing-Chören geboten, obwohl überraschend eine dramatische Passage samt Streichern das Stück auflockert. Erwartungsgemäß werden natürlich auch einige balladeske Tracks abgedeckt, die trotz kaum zu leugnendem Kitsch-Faktor zu überzeugen wissen - unterscheiden sich die beiden Vertreter dieser Gattung durch Piano-Klänge bei "Things Will Never Change" und eine sehnsüchtige Melodie bei "Days Of Rain", verbindet beide Songs der ausdrucksstarke Gesang, der dem Ganzen eine sehr emotionale Note gibt.

Auch die härteren Momente gestalten sich sehr abwechslungsreich, so wird in "Blue Hair" beispielsweise eine Variante von Punk gespielt, die mit überraschend heavy klingenden Riffs auftrumpft und in dem Modern-Metal-Kracher "Invisible Ink" eine melancholisch angehauchte Melodie präsentiert, die mit geschicktem Kopfstimmen-Einsatz im Refrain für einen weiteren Ohrwurm sorgt. Schon schwieriger einzuordnen ist da "Miracle" - man könnte den Song fast schon als eine düstere Pop-Nummer bezeichnen, die durch Streicher-Einsatz einen gewissen Bombast-Faktor erhält. Auch der Quasi-Titelsong "Dystopia" schlägt in eine ähnlich ungewöhnliche Kerbe und erstaunt mit überraschend komplexem Songwriting: Ein finsteres, mysteriöses Intro entfaltet sich langsam zu einer melancholischen Melodie samt Klavier und Streichern, bevor mächtige Riffs einsetzen und erneut Nicks großartiger Gesang ins Auge fällt.

Wer aufgepasst hat, wird jetzt merken, dass noch etwas fehlt - natürlich, das Lady-GaGa-Cover. Blowsight haben sich den aus der Pop-Landschaft nicht mehr wegzudenkenden Ohrwurm "Pokerface" der exzentrischen Dame ausgewählt und haben aus dem Song ihre eigene Version gezaubert, die es in sich hat: Die Ohohohohooh-Passagen sind mit Powerchords und derben Shouts unterlegt, während der Chorus noch immer in seinem glänzenden Pop-Appeal erstrahlt und später noch ein kurzes, aber gelungenes Solo als Wegbereiter erhält. Man könnte fast sagen, Blowsight ist hier eines der besten Covers der letzten Jahre gelungen, denn "Pokerface" erhält den Spirit des Originals, ohne die Identität der Band vermissen zu lassen - man hört zu jeder Sekunde, dass das Quartett reichlich Spaß an diesem Song hatte.

"Dystopia Lane" ist entgegen allen Befürchtungen ein eigenständiges und starkes Album, das glaubwürdig die drei Lieblingsgenres des Vierers zu einem explosiven Gemisch vereint, das ein Highlight unter den bisherigen Veröffentlichungen im Bereich des Modern Metal diesen Jahres darstellt - ja, Metal, denn trotz allen Ausflügen in andere Stilrichtungen baut Blowsights Musik immer noch auf hartem Rock auf. Wer allerdings Berührungsängste mit Pop hat, sollte dieses Album lieber meiden, denn jedermanns Sache sind die nicht immer unaufdringlichen Refrains sicherlich nicht - alle anderen sollten hier jedoch unbedingt einmal hereinhören, präsentiert das schwedische Quartett hier doch ein spielfreudiges und abwechslungsreiches Werk, das kaum einen Fan von eingängigem, zeitgemäßem und hartem Rock kalt lassen dürfte.

 

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